Diese Seite ist weit mehr als nur ein klassischer Reiseführer zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Katowice. Sie ist ein persönliches Porträt, geprägt von meinen eigenen Erinnerungen und Erfahrungen mit dieser Stadt – auch wenn ich selbst nie hier gelebt habe. Mich verbinden individuelle Erlebnisse mit Kattowitz, die ich bei Besuchen an altbekannten Orten immer wieder neu entdecke. Dabei zeigt sich der stetige Wandel: Viele Orte meiner Vergangenheit existieren heute nicht mehr – sie wurden abgerissen, modernisiert oder völlig neu gestaltet. Manche dieser Veränderungen habe ich mit Begeisterung aufgenommen, andere wiederum kritisch beobachtet. Während der Arbeit an dieser Seite sind mir Details aufgefallen und Fakten bewusst geworden, die ich früher schlicht übersehen hatte. Da Katowice eine extrem dynamische Stadt voller Potenzial und ehrgeiziger Pläne ist, entwickelt sich auch diese Seite ständig weiter. Ich lade Sie herzlich ein, die spannende Transformation dieser Stadt gemeinsam mit mir zu entdecken.
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- Offizielle Webseite:
- https://welcome.katowice.eu/pl/
Was gibt es auf dieser Seite zu entdecken?
Die moderne Kulturzone ist längst zum neuen Wahrzeichen von Katowice geworden und vereint Architektur, Freizeit und Kultur auf höchstem Niveau. Mehr erfahren.
Das Nationale Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks (NOSPR) – einer der besten Konzertsäle in ganz Europa mit herausragender Akustik. Mehr erfahren.
Das Schlesische Museum – der 2015 eröffnete Neubau wurde vom Architekturbüro Riegler Riewe entworfen. Der Komplex verbindet die revitalisierten Gebäude einer ehemaligen Kohlegrube mit beeindruckenden unterirdischen Ausstellungsflächen. Es präsentiert die Geschichte der Region sowie zeitgenössische Kunst. Zum Museum.
Der Bau der legendären "Untertasse" begann 1964 und wurde 1971 abgeschlossen. Das ikonische Bauwerk ist das Herzstück der Stadt. Mehr erfahren.
Der zentrale Marktplatz von Katowice ist einer der wichtigsten Treffpunkte in der Innenstadt. Details finden Sie hier.
Die Marienstraße ist die pulsierende Gastromeile und eine der charakteristischsten Fußgängerzonen im Zentrum. Details finden Sie hier.
Nikiszowiec (Nikischschacht) ist einer der charmantesten und historisch bedeutendsten Orte auf der Landkarte von Katowice. Mehr über das Viertel erfahren.
Wetter in Katowice
Die Geschichte von Katowice (Kattowitz)
Katowice blickt auf eine vergleichsweise junge Geschichte zurück, die ihre Wurzeln im Mittelalter als kleine landwirtschaftliche Siedlung hat. Die älteste schriftliche Erwähnung stammt vom 15. Februar 1598 aus einem Dokument des Stadtarchivs, in dem Katowice (Kattowitz) noch als Dorf geführt wird. Der entscheidende Wendepunkt kam im 18. Jahrhundert mit der Entdeckung reicher Kohlevorkommen, was eine dynamische Entwicklung des Bergbaus und der Schwerindustrie auslöste. Die Entdeckung dieser Flöze wird Graf Friedrich Wilhelm von Reden zugeschrieben, einem bedeutenden Oberberghauptmann jener Zeit. Im Jahr 1865 erhielt Katowice das Stadtrecht, was die wachsende wirtschaftliche Bedeutung des Standorts unterstrich.
Das 20. Jahrhundert war geprägt von turbulenten Umbrüchen, insbesondere durch die Schlesischen Aufstände zwischen 1919 und 1921. Diese bewaffneten Konflikte der oberlesischen Bevölkerung richteten sich gegen die deutsche und preußische Verwaltung mit dem Ziel, die Region an das neu gegründete Polen anzuschließen. Die Folgen waren einschneidend: Rund 100.000 Menschen, die dem Deutschen Reich loyal gegenüberstanden, verließen aus Sorge vor Repressalien die Region (Quellen: Emerging Europe und IPN).
Im Jahr 1926 wurde Katowice durch die polnische Regierung zur Hauptstadt der Woiwodschaft Schlesien ernannt, was seine Rolle als administratives und wirtschaftliches Zentrum festigte. Eine Ironie der Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den Jahren 1953 bis 1956, trug die Stadt zu Ehren Josef Stalins den Namen Stalinogród.
Eines der tragischsten Ereignisse der jüngeren Stadtgeschichte war die gewaltsame Niederschlagung des Streiks in der Zeche Wujek am 16. Dezember 1981. Nach der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen protestierten die Bergleute gegen Repressionen und die Internierung von Solidarność-Aktivisten. Der Einsatz von Militär und Miliz endete blutig: Neun Bergleute verloren ihr Leben, viele weitere wurden verletzt. Dieses Ereignis wurde zum Symbol des Widerstands gegen das kommunistische Regime. Erst der politische und wirtschaftliche Wandel nach 1989 ermöglichte die Transformation von Katowice zu dem modernen Kultur-, Bildungs- und Businesszentrum, das es heute ist.
Im Stadtzentrum erinnern heute drei bedeutende Denkmäler an die bewegte Geschichte des 20. Jahrhunderts: Das Denkmal der Schlesischen Aufständischen, das Pfadfinder-Denkmal und die Statue von General Jerzy Ziętek.
Denkmal der Schlesischen Aufständischen
Dieses monumentale Denkmal besteht aus drei gewaltigen Adlerflügeln aus Bronze mit einer Höhe von bis zu 13,5 Metern. Sie symbolisieren die drei Schlesischen Aufstände der Jahre 1919, 1920 und 1921.
Das Denkmal der Schlesischen Aufständischen in Katowice, gewidmet den Ereignissen von 1919–1921.
Das Monument thront auf einer künstlich angelegten Böschung an einem weitläufigen Platz am Rande des gleichnamigen Parks. An den Mauern der Anlage sind die Namen der wichtigsten Schlachtorte eingraviert, ergänzt durch die Widmung: „Warschau den Schlesischen Aufständischen“.
Der Entwurf stammt vom Bildhauer Gustaw Zemła und dem Architekten Wojciech Zabłocki. Das Denkmal wurde am 1. September 1967 enthüllt – ein Projekt, das maßgeblich vom damaligen Woiwoden Jerzy Ziętek vorangetrieben und von der Bevölkerung Warschaus als symbolisches Geschenk an Oberschlesien finanziert wurde.
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Die Schlesischen Aufstände waren der Ausdruck des Kampfes um die nationale Identität und den Anschluss an Polen. Heute ist das Denkmal zentraler Ort für patriotische Zeremonien und Gedenktage.
Doch die Interpretation der Aufstände ist bis heute nuanciert. Dies zeigte sich 2011, als Autonomie-Bewegungen einen Kranz für „alle Gefallenen“ – sowohl auf polnischer als auch auf deutscher Seite – niederlegten. Dies sollte den multiethnischen Charakter Oberschlesiens betonen. Historisch belegt ist dies auch durch die Volksabstimmung von 1921, bei der rund 60 % der Wähler für einen Verbleib bei Deutschland stimmten.
Denkmal der September-Pfadfinder
Am Marktplatz von Katowice, nahe der Piotra-Skargi-Straße, befindet sich das von Zygmunt Brachmański geschaffene Pfadfinder-Denkmal, das am 4. September 1983 enthüllt wurde.
Das Denkmal erinnert an den heldenhaften Widerstand der Pfadfinder im Jahr 1939.
Das Monument ist den schlesischen Pfadfindern gewidmet, die im September 1939 den einmarschierenden deutschen Truppen Widerstand leisteten. Es ehrt zudem alle, die während der anschließenden Besatzungsjahre ihr Leben ließen. Der Standort wurde bewusst gewählt: Ganz in der Nähe, in der Zamkowa-Straße 2, ermordeten deutsche Einheiten am 4. September 1939 dutzende Pfadfinder und Aufständische.
In den ersten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde Katowice schnell von der Wehrmacht besetzt. Der verzweifelte Widerstand von Pfadfindern und paramilitärischen Gruppen wurde mit brutaler Härte und Repressionen gegen die polnische Intelligenz beantwortet. Heute steht das Denkmal als stilles Zeugnis für den Mut der jungen Verteidiger.
Denkmal von General Jerzy Ziętek
General Jerzy Ziętek, langjähriger Woiwode von Schlesien, war eine der prägendsten Persönlichkeiten der Region. Als Initiator des Schlesischen Kultur- und Erholungsparks (WPKiW) prägte er das soziale und kulturelle Leben Oberschlesiens maßgeblich.
General Jerzy Ziętek – Woiwode, Organisator und Visionär der Region.
Sein Denkmal im Park der Schlesischen Aufständischen trägt die Inschrift: „Die Gesellschaft der Woiwodschaft Schlesien errichtete dieses Denkmal zum 20. Todestag von Jerzy Ziętek – Aufständischer, Woiwode, Gastgeber, Staatsmann und General – als Zeichen höchster Anerkennung für einen Mann, der sein ganzes Leben den Menschen und seiner geliebten schlesischen Heimat widmete. Katowice, 20.11.2005.“
Kurzbiografie: General Jerzy Ziętek
🎖️ Jerzy Ziętek (1901–1985) war ein schlesischer Sozialaktivist und Politiker. Er nahm an den Schlesischen Aufständen teil und war über Jahrzehnte eine Schlüsselfigur für die Entwicklung von Katowice.
Meilensteine:
- 1919–1921: Teilnahme am II. und III. Schlesischen Aufstand.
- 1957–1973: Woiwode von Katowice.
- Initiator von Großprojekten wie dem Schlesischen Stadion, der Mehrzweckhalle Spodek und dem riesigen Erholungspark zwischen Katowice und Chorzów.
- 1963: Beförderung zum Brigadegeneral.
Vermächtnis: Er verstarb 1985 in Katowice. Bis heute wird er als „guter Gastgeber“ der Region geschätzt, auch wenn sein Wirken stets im Kontext der politischen Realitäten seiner Epoche betrachtet werden muss.
Jüngste Geschichte: Die Metropole GZM
Die moderne Geschichte von Katowice ist untrennbar mit der Gründung der Metropolregion GZM (Górnośląsko-Zagłębiowska Metropolia) verbunden, deren Herzstück Katowice bildet. Diese im Juli 2017 formell gegründete Metropole ist der erste Zusammenschluss dieser Art in Polen. Die GZM umfasst 41 Städte und Gemeinden, darunter Schwergewichte wie Gliwice, Zabrze, Bytom, Tychy sowie Sosnowiec und Dąbrowa Górnicza. Mit rund 2,3 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von 2.500 km² gehört sie zu den größten Ballungsräumen Polens. Hauptaufgaben der GZM sind die zentrale Steuerung des öffentlichen Nahverkehrs (ZTM), die Förderung von Innovationen und die nachhaltige Stadtplanung. Damit setzt die Region ein Zeichen für effiziente Zusammenarbeit über Stadtgrenzen hinweg, um die Lebensqualität ihrer Bewohner stetig zu verbessern.
Nach diesem Blick in die Vergangenheit schlagen wir nun die Brücke zur Gegenwart, die bereits heute die Geschichte von morgen schreibt.
Die Kulturzone (Strefa Kultury)
Die Kulturzone in Katowice ist ein wegweisendes Revitalisierungsprojekt, das auf dem Gelände der ehemaligen Steinkohlegrube „Katowice“ realisiert wurde. Dieses Areal hat eine beeindruckende Transformation durchlaufen: von einem rein industriell genutzten Raum hin zu einem der bedeutendsten Zentren für Kultur und Kunst in Polen. Moderne Architektur, erstklassige Kulturinstitutionen und ein hochkarätiges Veranstaltungsprogramm machen diesen Ort zum Aushängeschild des modernen Katowice und zum Symbol für den gelungenen postindustriellen Wandel.
Es handelt sich um eines der wichtigsten Revitalisierungsprojekte Polens und ist von zentraler Bedeutung für die Metropolregion GZM. Direkt neben der legendären Multifunktionshalle „Spodek“ gelegen, umfasst die Kulturzone architektonische Meisterwerke, die mehrfach für ihr einzigartiges Design ausgezeichnet wurden:
- Internationales Kongresszentrum (MCK): Ein Ort für prestigeträchtige Veranstaltungen mit globaler Reichweite.
- Sitz des Nationalen Symphonieorchesters des Polnischen Rundfunks (NOSPR): Ein Konzertsaal mit Weltklasse-Akustik.
- Schlesisches Museum (Muzeum Śląskie): Eine moderne Einrichtung, die das kulturelle Erbe Schlesiens bewahrt.
Die Entstehungsgeschichte
Die Kulturzone in Katowice als Symbol für den regionalen Strukturwandel.
Die Kulturzone entstand auf dem Gelände des im Jahr 1999 stillgelegten Steinkohlebergwerks „Katowice“. Das zentral gelegene Areal in direkter Nachbarschaft zur Veranstaltungshalle „Spodek“ bot ideale Voraussetzungen für ein neues, modernes Kulturviertel. Die Transformation begann um das Jahr 2010 und entwickelte sich zu einer der bedeutendsten städtebaulichen Investitionen in der Geschichte der Stadt.
Koordiniert von der Stadt Katowice und unterstützt durch staatliche sowie kulturelle Institutionen, umfasste das Projekt sowohl Neubauten als auch die behutsame Adaption alter Industriestrukturen. Der Komplex erhielt zahlreiche Architekturpreise, darunter Nominierungen für den renommierten Mies van der Rohe Award der EU.
Ein Symbol des Wandels
Das Schlesische Museum beherbergt bedeutende Sammlungen zur Regionalgeschichte sowie zeitgenössische Kunst.
Den symbolischen Auftakt bildete die Modernisierung des Spodek – einer der markantesten Veranstaltungshallen Polens. Das Gebäude wurde technisch komplett runderneuert, von der Klimatisierung über die Tribünen bis hin zu modernsten Managementsystemen. Dabei wurden auch ökologische Aspekte berücksichtigt und alte Baumaterialien durch sichere, moderne Alternativen ersetzt.
Mit dem Bau des angrenzenden Internationalen Kongresszentrums (MCK) erhielt der Spodek völlig neue Synergieeffekte. Die logistische Verknüpfung beider Objekte ermöglicht Großveranstaltungen für über 25.000 Teilnehmer – von Konzerten und Weltkongressen bis hin zu Fachmessen der MICE-Branche. Die Kulturzone ist heute ein offener Raum, der Bildung, Kultur, Business und Erholung perfekt miteinander verbindet.
Bedeutung für die Stadt und die Metropole GZM
Zentrum für moderne Kultur und Kunst.
Die neuen Bauwerke haben die Lebensqualität im revitalisierten Teil von Katowice massiv gesteigert. Das Gesamtinvestitionsvolumen, inklusive der umfassenden Neugestaltung der Verkehrsinfrastruktur, übersteigt eine Milliarde Złoty – realisiert mit maßgeblicher Unterstützung durch europäische Fördergelder.
Als offener Komplex ist die Kulturzone ein Magnet für Touristen aus dem In- und Ausland, für Architekturbegeisterte und Schulklassen, die das Bildungsangebot des Schlesischen Museums und des NOSPR nutzen. Gleichzeitig sind die Grünflächen und Plätze zu einem beliebten Treffpunkt für die Bewohner der Metropolregion GZM geworden, was die soziale Bindung zu diesem neuen Stadtzentrum stärkt.
Zudem fungiert das Areal als Medienstandort, unter anderem durch den Sitz von TVP3 Katowice. Der gesamte Komplex festigt die Position von Katowice als Hauptstadt der Metropole GZM und als eines der wichtigsten Zentren für Kultur und Wirtschaft in Mitteleuropa.
Internationales Kongresszentrum (MCK)
Das Internationale Kongresszentrum (MCK) am Plac Sławika i Antalla wurde zwischen 2011 und 2015 errichtet. Finanziert durch Mittel der Europäischen Union und der Stadt Katowice, ist es das größte Objekt seiner Art in Polen und ein integraler Bestandteil der Kulturzone. Entworfen wurde das Gebäude vom renommierten Warschauer Architekturbüro JEMS Architekci. Der markante schwarze Quader dient heute als Schauplatz für Weltkongresse, Messen, Konzerte und hochkarätige Business-Events und zählt zu den wichtigsten Konferenzstandorten des Landes.
Die Architektur und das „Grüne Tal“
Den Wettbewerb für das MCK-Gebäude gewann 2008 das Büro JEMS Architekci mit einem visionären Entwurf: Ein schlichter, schwarzer Quader, der durch eine unregelmäßige, tiefe Schlucht in zwei Teile geschnitten wird.
Das Internationale Kongresszentrum (MCK) entstand zwischen 2011 und 2015.
Diese Schlucht rekonstruiert den Verlauf des alten Weges nach Bogucice und fungiert als öffentlicher Raum. Es ist eine in der Architektur seltene Lösung: Ein Teil des Gebäudes verliert scheinbar sein Volumen und verwandelt sich stattdessen in ein Naherholungsgebiet. Die Architekten nannten diesen Bereich das „Grüne Tal“.
Besichtigung des MCK
Interessierte haben die Möglichkeit, das Internationale Kongresszentrum im Rahmen von Führungen zu besichtigen. Dabei werden die verschiedenen Bereiche des Zentrums präsentiert, die den universellen Charakter des Gebäudes und die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten für Veranstaltungen verdeutlichen.
Der größte Saal des MCK fasst 9.000 Sitzplätze oder bis zu 12.000 Stehplätze.
Besuchergruppen können das untere Foyer, die Ballsäle sowie das beeindruckende Auditorium besichtigen. Zudem werden die Multifunktionshalle, das obere Foyer mit der Empore und die modernen Konferenzräume auf der zweiten Ebene gezeigt. Da das MCK ein aktiver Veranstaltungsort ist, muss jeder Besichtigungstermin vorab vom Betreiber bestätigt werden.
Funktionen und Kapazitäten
Das MCK wurde konzipiert, um eine Vielzahl von Funktionen zu erfüllen: Kongresse, Konferenzen, Ausstellungen, Messen und kulturelle Vorführungen. Die größte Halle bietet beeindruckenden Platz für 9.000 sitzende oder 12.000 stehende Gäste.
Teile des Gebäudes sind mit Rasen bewachsen und dienen als einladende Erholungsflächen.
Zusätzlich verfügt das Zentrum über zahlreiche kleinere Konferenzräume, einen Bankettsaal, ein Auditorium und großzügige Foyers, die flexibel für Ausstellungen genutzt werden können. Die Multifunktionshalle allein umfasst über 8.100 Quadratmeter. Ein besonderer logistischer Vorteil: Das MCK ist über einen Tunnel direkt mit dem Spodek verbunden, was die Durchführung von Mega-Events in beiden Gebäuden gleichzeitig ermöglicht.
Nationales Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks (NOSPR)
Das Nationale Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks (NOSPR) ist eines der zentralen Objekte der Kulturzone in Katowice. Der Bau dieses hochmodernen Sitzes begann im Jahr 2012 und wurde 2014 abgeschlossen. Der Entwurf des Architekten Tomasz Konior ging als Sieger aus einem internationalen Wettbewerb hervor. Das Gebäude mit seinem schlichten, kompakten Grundriss fügt sich harmonisch in die Umgebung der Kulturzone ein. Ergänzt wird der Bau durch einen sorgfältig gestalteten öffentlichen Raum mit Grünanlagen, Ruhezonen, einem Labyrinth, einer Fontäne und einem Amphitheater.
Die Entstehung des NOSPR
Das NOSPR-Gebäude ist eines der architektonischen Highlights der Kulturzone.
Das Herzstück des Objekts ist der moderne Konzertsaal, der bis zu 1.800 Zuschauer fasst. Er zeichnet sich durch eine exzellente Akustik aus, die von dem japanischen Spezialisten Yasuhisa Toyota (Nagata Acoustics) entworfen wurde. Dies garantiert höchste Klangqualität bei jedem Konzert. Der Saal wurde aus edlen Materialien, insbesondere unter Verwendung von viel Holz, gefertigt, was seinen einzigartigen Charakter unterstreicht. Ein weiteres Highlight ist die beeindruckende Orgel, die von der renommierten deutschen Werkstatt Johannes Klais Orgelbau gefertigt wurde und Musikliebhaber weltweit anzieht.
Der Konzertsaal
Der Konzertsaal gilt als einer der akustisch besten Säle in Europa.
Die Architektur des NOSPR verbindet Moderne mit Tradition und nimmt Bezug auf das industrielle Erbe der Region (die Backsteinoptik erinnert an die Arbeitersiedlung Nikiszowiec). Die Innenräume sind elegant und funktional gestaltet, um höchste ästhetische und akustische Standards zu erfüllen. Das NOSPR ist heute weit über die Landesgrenzen hinaus für sein hochkarätiges künstlerisches Programm bekannt, das sowohl lokales Publikum als auch internationale Gäste anlockt.
Im Inneren des NOSPR
Offene Architektur: Einladende Räume für Musikbegeisterte.
Im Programmheft des NOSPR vom Juni 2024 heißt es treffend: "Im NOSPR ist jeder willkommen – egal, ob Sie ein erfahrener Musikliebhaber sind oder gerade erst Ihr Abenteuer mit der klassischen Musik beginnen. Es ist ein offener Raum für alle, die etwas Außergewöhnliches erleben möchten." Wir hatten das Glück, das Gebäude ohne große Menschenmengen zu besichtigen und konnten so in aller Ruhe die architektonischen Details fotografieren, die die besondere Atmosphäre der gesamten Kulturzone widerspiegeln.
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Die Kulturzone Katowice, der ikonische Spodek und die markanten Hochhäuser – aus der Perspektive des NOSPR.
Schlesisches Museum (Muzeum Śląskie)
Der Gebäudekomplex des Schlesischen Museums auf dem Gelände der ehemaligen Zeche „Katowice“ ist absolut außergewöhnlich, da sich der Hauptausstellungsbereich unter der Erdoberfläche befindet. Die moderne Konstruktion wurde vom österreichischen Büro Riegler Riewe Architekten aus Graz entworfen. Die historische Bergbaulandschaft mit ihrem Förderturm wurde durch gläserne Kuben ergänzt, deren nächtliche Innenbeleuchtung einen spektakulären Effekt erzeugt. Diese Glasboxen ermöglichen es, die Ausstellungen bei Tageslicht zu betrachten, obwohl sie sich bis zu 14 Meter unter dem Bodenniveau befinden. Die Nutzfläche des Komplexes beträgt beeindruckende 25.000 m², davon entfallen 6.000 m² auf Ausstellungsflächen.
Die wechselvolle Geschichte
Das Museum bewahrt das kulturelle Erbe Oberschlesiens und präsentiert zeitgenössische Kunst.
Das Schlesische Museum wurde am 23. Januar 1929 durch einen Beschluss des Schlesischen Sejms gegründet. Von Beginn an war es als Mehrspartenhaus konzipiert, mit einem Fokus auf der Geschichte und Kultur Oberschlesiens. Die Sammlung umfasst Malerei und Skulptur des 19. und 20. Jahrhunderts, sakrale Kunst, Archäologie und Ethnografie.
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1936 begann der Bau eines neuen, monumentalen Sitzes. Obwohl die Arbeiten 1939 fast abgeschlossen waren, wurde das Gebäude nie offiziell eröffnet. Nach dem Einmarsch der Deutschen wurden die wertvollsten Bestände teils zerstört, teils nach Bytom oder Berlin abtransportiert. Die Verluste belaufen sich auf über 31.000 Objekte. Das ursprüngliche Museumsgebäude wurde von den Nationalsozialisten zwischen 1941 und 1944 als „Symbol des Polentums“ Stein für Stein abgetragen. Erst 1984 wurde die Institution reaktiviert und fand ihren vorläufigen Sitz in einem modernistischen Hotelgebäude, bevor sie schließlich auf das Zechengelände umzog.
Museum auf der Zeche
Die Verbindung von Industriearchitektur und modernem Glasdesign.
1999 wurde unter dem Vorsitz des berühmten Regisseurs Kazimierz Kutz ein Komitee für den Neubau gegründet. Dem Museum wurde daraufhin das Gelände der stillgelegten Zeche „Katowice“ übertragen.
Ausklappen
Der neue Sitz wurde am 26. Juni 2015 feierlich eröffnet. Ein markantes Wahrzeichen ist der Aussichtsturm, der ehemalige Förderturm des Schachtes „Warszawa II“. Von seiner Spitze bietet sich ein herrlicher Panoramablick über Katowice. Neben den Dauerausstellungen zur Geschichte Oberschlesiens und polnischer Malerei beeindrucken vor allem die Wechselausstellungen. Besonders faszinierend war für uns die Präsentation der Werke von Jerzy Duda-Gracz, der die Kompositionen von Chopin bildlich interpretierte.
Sammlungen und Bedeutung
Das Schlesische Museum besticht durch die einzigartige Symbiose aus historischer Industriearchitektur und modernen unterirdischen Strukturen.
Ein Ort, der Regionalgeschichte für die Zukunft bewahrt.
Dadurch wurde nicht nur das bergbauliche Erbe bewahrt, sondern ein Kunstraum von Weltrang geschaffen. Die Sammlungen umfassen Archäologie, Ethnologie, Fotografie sowie das Zentrum für Polnische Szenografie.
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Die Ausstellungen decken die gesamte Bandbreite von der Industriekultur bis zur modernen polnischen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts ab. Das Museum wurde vielfach für seine Architektur und Bildungsarbeit ausgezeichnet. Es ist heute ein unverzichtbarer Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische gleichermaßen und bietet ein tiefgreifendes Verständnis für die schlesische Identität.
Die Multifunktionshalle Spodek
Die Veranstaltungs- und Sporthalle, im Volksmund schlicht Spodek (polnisch für „Untertasse“) genannt, ist ein landesweit einzigartiges Objekt mit einer reichen Geschichte an Unterhaltungs-, Sport- und Messeereignissen. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1971 prägt sie das Stadtbild von Katowice und hat sich zu einer der bekanntesten Architektur-Ikonen Polens entwickelt. Seit Jahrzehnten ist der Spodek Schauplatz großer Ereignisse – von Konzerten weltberühmter Stars bis hin zu Sportveranstaltungen von Weltrang. Im Folgenden erfahren Sie mehr über die Geschichte und die Bedeutung dieses außergewöhnlichen Bauwerks.
Die Vision hinter dem Spodek
Der Bau des Spodek begann im Jahr 1964, die feierliche Eröffnung fand am 8. Mai 1971 statt. Auf Initiative des schlesischen Woiwoden, General Jerzy Ziętek, wurde das Projekt von einem Team aus Architekten und Ingenieuren, darunter Maciej Gintowt und Maciej Krasiński, entwickelt.
Der Spodek besticht durch seine futuristische Form, die an eine fliegende Untertasse (UFO) erinnert.
Verantwortlich für die Statik war der Ingenieur Wacław Zalewski, der auch die kühne Konstruktion des Bahnhofs von Katowice entworfen hatte. Das Gebäude zeichnet sich durch seine futuristische Form aus, die an ein UFO erinnert, und ist ein einzigartiges Beispiel modernistischer Architektur in Polen. Daher rührt auch der Name des Objekts.
Weiterlesen zur Konstruktion
Die für die damalige Zeit hochinnovative Konstruktion des Spodek basiert auf dem Prinzip der gegenseitigen Stabilisierung von Zug- und Druckelementen. Die riesige, 360 Tonnen schwere Kuppel ist über 120 Tragseile mit einem äußeren Stahlring verbunden, über denen die Dachhaut montiert wurde.
Die Halle bietet Platz für bis zu 12.000 Zuschauer und diente von Anfang an der Ausrichtung von Massenveranstaltungen. Die hier organisierten Konzerte und Festivals ziehen bis heute Fans verschiedenster Musikrichtungen nach Katowice.
Gastgeber zahlreicher Weltereignisse
Der Spodek dient als Austragungsort für Messen, Ausstellungen und Kongresse und ist eines der wichtigsten Veranstaltungszentren Polens. Im Kontext der Stadtgeschichte ist er zudem oft Ort für Gedenkveranstaltungen zu bedeutenden Momenten der schlesischen und polnischen Geschichte.
Der Spodek inmitten charakteristischer Objekte wie dem Denkmal der Schlesischen Aufständischen und den .KTW-Bürotürmen.
In der Halle finden wichtige Sportevents statt, darunter Eishockey-, Basketball- und Volleyballspiele. Sie war Gastgeber der Volleyball-Weltmeisterschaft der Männer 2014 und der Basketball-Europameisterschaft 2009. Zudem gastierten hier Weltstars wie Metallica, Iron Maiden, Depeche Mode und Rammstein. Seit 1981 findet im Spodek auch das Rawa Blues Festival statt, das sich zum größten und bekanntesten Blues-Event Polens entwickelt hat.
Mehr als eine Ikone – Ein Ort der Erinnerungen
Heute ist der Spodek in Katowice nach wie vor eine lebendige Multifunktionshalle, in der regelmäßig Sport-, Musik- und Kulturereignisse von nationalem und internationalem Rang stattfinden.
Das „UFO“ scheint über dem MCK-Gebäude zu kreisen (Spiegelung in der Fassade).
Als Teil des großen Komplexes mit dem Internationalen Kongresszentrum und dem Schlesischen Museum ist der Spodek das schlagende Herz des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in Schlesien.
Persönliche Erinnerungen an den Spodek…
Für mich ist der Spodek nicht nur ein markanter Punkt auf der Stadtkarte, sondern ein Ort voller persönlicher Erinnerungen. Es ist nicht nur die berühmte Halle selbst, sondern der gesamte dazugehörige Komplex. Einer der Räume, die heute als Turnhalle genutzt werden, war meine Trainingsstätte: Während der Ferien und im Sommer nutzte unsere Fechtsektion des GKS Katowice regelmäßig diese Räumlichkeiten.
Auf der anderen Seite des Spodek gab es eine saisonale Eisbahn, und die Haupthalle selbst verwandelte sich je nach Bedarf: mal in eine Sportarena, mal in einen Konzertsaal oder… in ein Kino. Und was für eines! Eines der größten der Welt. Eine riesige Leinwand, ein gewaltiges Publikum und eine Vorstellung, die fast vier Stunden dauerte.
Der Film „Vom Winde verweht“ wurde im Original mit polnischen Untertiteln gezeigt. Und ich? Ich hatte meine Brille zu Hause vergessen. Vier Stunden intensives Training für Geduld und Fantasie. Ich habe es irgendwie überstanden – und genau deshalb sind mir diese Vorstellung und der Spodek so lebendig im Gedächtnis geblieben.
Der Marktplatz von Katowice – gelungen oder nicht?
Für mich persönlich ist ein Marktplatz (Rynek) primär ein von Bürgerhäusern umgebener Platz, zu dem ein Netz von Gassen führt. In diesem Sinne ist der Rynek in Katowice zwar der zentrale Raum der Stadt, verzichtet aber auf die klassische geschlossene Randbebauung. Heute fungiert er als einer der Hauptplätze der Innenstadt. Zahlreiche wichtige Straßen münden hier, darunter die 3 Maja, Warszawska, Staromiejska und die Allee Wojciecha Korfantego.
Im Jahr 2017 wurde der kostspielige, sechs Jahre dauernde Umbau des Marktplatzes abgeschlossen. Heute gliedert sich der Raum in drei Bereiche: den Plac Kwiatowy (Blumenplatz), den Plac Teatralny (Theaterplatz) vor dem Theater und den Plac Obrońców Katowic (Platz der Verteidiger von Katowice) direkt am Fluss Rawa.
Der „neue“ Rynek hat sich als Veranstaltungsort etabliert – vom Schlesischen Bierfestival bis hin zu den stimmungsvollen Weihnachts- und Ostermärkten. Begleiten Sie mich auf einen Spaziergang durch diesen Raum. Lange Zeit empfand ich ihn als einen Ort ohne klares Konzept, doch dieses Mal bin ich bereit, mich positiv überraschen zu lassen.
Plac Teatralny und das Schlesische Theater
Das Stanisław-Wyspiański-Theater ist die bedeutendste Sprechbühne Oberschlesiens. Direkt am Plac Teatralny gelegen, bildet das monumentale Gebäude seit über hundert Jahren das kulturelle Herzstück der Stadt.
Das Schlesische Theater – die größte Bühne der Region.
Der Prachtbau wurde 1905–1907 nach Plänen von Carl Moritz errichtet, einem renommierten Architekten für öffentliche Bauten. Die klassizistische Fassade mit ihren Skulpturen und dem markanten Tympanon ist ein Blickfang. Der Zuschauerraum bietet Platz für fast 800 Personen und beeindruckt durch seine flache Kuppel und das elegante Marmorfoyer.
Mehr zur Geschichte
Ursprünglich als deutsche Bühne mit Schillers „Wilhelm Tell“ eröffnet, wurde das Haus nach dem Anschluss von Katowice an Polen 1922 zur wichtigsten polnischen Bühne der Region. Es spielte eine zentrale Rolle bei der kulturellen Neugestaltung Oberschlesiens. Nach umfangreichen Modernisierungen im 21. Jahrhundert erstrahlen die historischen Details heute wieder in vollem Glanz.
Plac Kwiatowy (Blumenplatz)
Der Plac Kwiatowy dient als repräsentativer Ruhepol im Zentrum. Hier finden sich Bänke, üppige Bepflanzungen in hohen Kübeln und schattenspendende Bäume, die dem Ort eine fast gartenähnliche Atmosphäre verleihen.
Der Blumenplatz lädt zu einer gemütlichen Kaffeepause ein.
Ein Kaskadenbrunnen und moderne Stadtmöbel laden zum Verweilen ein. Die Pavillons entlang des Platzes, in denen traditionell Blumenfrauen ihre Ware anbieten, greifen die ursprüngliche Funktion dieses Marktabschnitts auf. Es ist einer dieser Orte, an denen man das tägliche Treiben der Stadt wunderbar beobachten kann.
Persönlicher Eindruck
Früher verband ich diesen Ort nur mit hektischen Menschen an der Straßenbahnhaltestelle. Seit der Neugestaltung (fertiggestellt 2015) ist er jedoch viel einladender. Neulich genossen wir hier Kaffee und Eis – und erst in der Ruhe bemerkte ich das prachtvolle Eckhaus zwischen den Straßen Pocztowa und Młyńska.
Plac Obrońców Katowic und die Rawa
Dieser Teil des Marktes ist eng mit dem Fluss Rawa verbunden, der hier unterirdisch verläuft. Früher galt die Rawa eher als Abwasserkanal der Industrie. Über Jahre konnte man ihre wechselnden Farben beobachten: von Violett bis hin zu undefinierbaren Orange-Gelb-Tönen.
Der Platz der Verteidiger von Katowice (Plac Obrońców Katowic).
Trotz ihres Rufes ist die Rawa für Katowice von enormer Bedeutung, da sie fast das gesamte Stadtgebiet entwässert. Ihr Name stand auch Pate für das weltberühmte Rawa Blues Festival. Ob in der Rawa jemals wieder Fische schwimmen werden? Wir werden sehen.
Die „Rawa Bis“ und die Palmen
Die Rawa aus der Perspektive der Allee Korfantego.
Auf dem Rynek wurde ein künstlicher Wasserlauf geschaffen – die sogenannte „Rawa bis“. Hier ist das Wasser sauber und die Umgebung perfekt zum Entspannen. Große Kübel mit echten Palmen, gemütliche Holzbänke und ein Springbrunnensystem erzeugen eine fast mediterrane Atmosphäre, die einen wunderbaren Kontrast zur industriellen Geschichte bildet.
Ulica Mariacka – Die pulsierende Marienstraße
Die Ulica Mariacka in Katowice ist einer der charakteristischsten und beliebtesten Orte im Stadtzentrum. Sie fungiert als das kulturelle und gastronomische Herz der Stadt und zieht mit ihrer einzigartigen Atmosphäre sowohl Einheimische als auch Touristen an. Benannt nach der Marienkirche an ihrem östlichen Ende, ist die Straße heute eine belebte Fußgängerzone, die historische Architektur harmonisch mit modernem Stadtleben verbindet.
Die Zeit hat die Spuren meiner persönlichen Erinnerungen an die „Mariacka“ – wie wir Einheimischen sie immer nannten – fast verwischt. Meine Bilder aus den 70er und 80er Jahren beschränken sich auf graue Fassaden, den Lärm vorbeifahrender Züge, spärliche Beleuchtung und Menschenmassen, die zur Arbeit oder zum Einkaufen hasteten. Dieses Klischee jener Zeit ist in meinem Gedächtnis geblieben – eine Zeit, in die ich nicht zurückkehren möchte. Dennoch versuche ich jene zu verstehen, die sie vermissen. Aber wie die Tschechen sagen: „To se ne vrátí“ – das kommt nicht zurück.
Urbanes Flair und Energie
Die Mariacka ist vor allem für ihr reiches gastronomisches Angebot bekannt. Zahlreiche Cafés, Restaurants, Pubs und Clubs bieten alles von regionaler schlesischer Küche bis hin zu internationalen Spezialitäten.
Ulica Mariacka – Urbanes Flair und pure Energie.
Besonders abends erwacht die Straße zum Leben und wird zum beliebtesten Treffpunkt für Jung und Alt.
Mehr über das Leben auf der Mariacka
Im Sommer finden hier Open-Air-Konzerte, Kunstperformances und Kulturfestivals statt. Die Architektur der Straße ist ein faszinierender Mix: Die teilweise aus dem 19. Jahrhundert stammenden Mietshäuser bilden eine malerische Kulisse für das moderne Leben. Dank moderner Illuminationen und der Neugestaltung des öffentlichen Raums ist die Mariacka ein Paradebeispiel für die gelungene Transformation einer Industriestadt in eine offene, dynamische Metropole.
Die Marienkirche
Die Kirche der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria, kurz Marienkirche genannt, ist die älteste erhaltene katholische Kirche in der Innenstadt von Katowice.
Die neogotische Marienkirche am Ende der Fußgängerzone.
Sie wurde 1870 nach einem Entwurf von Alexis Langer aus Breslau erbaut. Langer war bekannt für seine originellen neogotischen Bauten und wirkte unter anderem an der Restaurierung des Kölner Doms mit.
Architektur und Geschichte entdecken
Die Kirche beeindruckt mit ihrem 71 Meter hohen Turm im rheinischen Neogotik-Stil. Ungewöhnlich für die Region: Sie wurde nicht aus Backstein, sondern aus schlesischem Sandstein errichtet. Im Inneren finden sich Meisterwerke wie die Marienzyklen von Józef Unierzyski (Schwiegersohn des berühmten Jan Matejko) und moderne Glasmalereien von Adam Bunsch, die Tugenden und Laster darstellen. Nach umfangreichen Sanierungen zwischen 2001 und 2011 erstrahlt die Fassade heute wieder in ihrem ursprünglichen hellen Glanz.
Das beeindruckende Innere der Marienkirche.
Das Bluesman-Denkmal
Ein besonderes Highlight ist die „schwebende“ Skulptur eines Bluesmusikers von Jerzy Kędziora, die etwa 5 Meter über der Marienstraße balanciert.
Der Bluesman – ein Symbol für die musikalische Seele der Stadt.
Die an Stahlseilen befestigte Figur hält eine Gitarre und scheint mitten im Spiel über den Köpfen der Passanten zu verharren.
Katowice – Stadt der Musik
Das Denkmal wurde auf Initiative des Musikers Leszek Winder errichtet, um die schlesische Blues-Tradition zu ehren. Es wurde am 15. September 2016 enthüllt – pünktlich zum polnischen Tag des Blues (dem Geburtstag von B.B. King). Katowice wird oft mit Bergbau assoziiert, doch die Seele der Stadt schlägt im Rhythmus von Blues und Rock. Bands wie Dżem, SBB oder der legendäre Jan „Kyks“ Skrzek sind fest in der Identität der Region verwurzelt.
Ein Spaziergang durch die Innenstadt
In diesem Teil meines Berichts lade ich dich zu einem Rundgang durch das Stadtzentrum von Kattowitz ein. Ich zeige dir Orte, die meiner Meinung nach das heutige Gesicht der schlesischen Metropole prägen. Wir beginnen am Hauptbahnhof, der nach seiner Errichtung nicht nur von der Modernität der Stadt zeugte, sondern für mich persönlich auch ein Ort unzähliger Abschiede und Ankünfte war. Auf seinen Bahnsteigen habe ich viele Stunden damit verbracht, auf meinen Zug zu warten.
Hauptbahnhof Katowice – Beginn vieler Reisen
Der Bahnhof am Plac Szewczyka (Szewczyk-Platz) wurde 1972 als modernes, im Stil des Modernismus gehaltenes Tor zur Stadt eröffnet. Er war eines der wichtigsten Prestigeprojekte der polnischen Staatsbahn PKP und galt jahrzehntelang als eines der markantesten Beispiele für die Nachkriegsarchitektur in Oberschlesien. Die massive Betonkonstruktion löste zwar extreme Emotionen aus, doch ihre Funktionalität und ihr Mut zum Monumentalen waren unbestreitbar.
Der modernisierte Hauptbahnhof, am 29. Oktober 2012 neu eröffnet.
Ich erinnere mich gut an die lange Rampe, die zum Haupteingang führte. Darunter befanden sich die Bushaltestellen und Taxistände. Der Bahnhof war ein multifunktionaler Knotenpunkt, den ich oft auch über den Plac Andrzeja betrat.
Zwischen 2010 und 2012 wurde der Bahnhof grundlegend umgebaut und in den neuen Shopping-Komplex Galeria Katowicka integriert. Heute gehört er zu den wichtigsten Verkehrsknotenpunkten Polens. Bis heute wird leidenschaftlich diskutiert: Welches Gebäude war architektonisch wertvoller – der alte Beton-Modernismus oder die heutige Glasform?
Ulica 3-go Maja (Straße des 3. Mai)
Die Ulica 3-go Maja ist eine der wichtigsten und repräsentativsten Adern der Innenstadt. Sie verbindet den Marktplatz (Rynek) mit dem Plac Wolności.
Ulica 3-go Maja – Die repräsentative Ader der Innenstadt.
Angelegt wurde sie 1856 als Industriestraße. Später hieß sie zu Ehren von Friedrich Grundmann Grundmannstraße. Nach der Rückkehr von Katowice zu Polen wurde sie in 3-go Maja umbenannt. Interessanterweise erinnert der Name weniger an die Verfassung vom 3. Mai 1791, sondern vor allem an den Beginn des Dritten Schlesischen Aufstands in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1921.
Heute ist sie ein Zentrum des städtischen Lebens mit prächtigen Mietshäusern aus der Gründerzeit, Cafés und der angrenzenden Galeria Katowicka.
Ulica Stawowa (Teichstraße)
Die Stawowa ist eine der bekanntesten Fußgängerzonen der Stadt.
Die Ulica Stawowa ist die beliebteste Einkaufsmeile im Zentrum. Der Name (Teichstraße) rührt daher, dass dieser Weg früher zu einem Teich führte, der sich dort befand, wo heute das Einkaufszentrum Supersam steht. Ein Wahrzeichen der Straße ist der Froschbrunnen aus den 1970er Jahren. Wer an den Schaufenstern vorbei nach oben blickt, entdeckt eine faszinierende Vielfalt an Architekturstilen: Jugendstil, Neobarock und Historismus.
Das Rondo – Treffpunkt und Mega-Umbau
Das Rondo entstand 1965 und war mit seinen weitläufigen Unterführungen legendär.
Straßenbahnen vor der markanten Glaskuppel des Rondo.
Unter dem alten Rondo herrschte ein nostalgisches Treiben: Kioske, Bars und sogar ein Lottopunkt machten die Unterführung zu einem natürlichen Treffpunkt. Doch das Verkehrschaos auf der Oberfläche zwang die Stadt im Jahr 2000 zum Umbau. In fünf Jahren Bauzeit entstand ein riesiger Straßentunnel. Heute thront auf dem Rondo eine markante Glaskuppel, die das „Rondo Sztuki“ (Rundbau der Kunst) beherbergt, eine Galerie der Akademie der Bildenden Künste.
Supersam – Von der Markthalle zum Center
1936 wurde hier die städtische Markthalle eröffnet – damals die größte Polens. Die monumentale Stahlkonstruktion stammte vom Ingenieur Stefan Bryła.
Die erhaltenen Stahlträger erinnern an die historische Markthalle.
Zu Zeiten der Volksrepublik wurde sie in „Supersam“ (Selbstbedienungssupermarkt) umbenannt. 2013 wurde das alte Gebäude abgerissen, doch im Inneren des modernen Neubaus wurden die historischen Stahlbögen effektvoll in die neue Architektur integriert.
Adam-Mickiewicz-Gymnasium
Das Adam-Mickiewicz-Gymnasium – ein Zeuge der Stadtgeschichte.
Das neogotische Backsteingebäude aus den Jahren 1898–1900 ist eines der schönsten Schulgebäude der Stadt. Vor dem Ersten Weltkrieg war es die einzige höhere Schule in Katowice. Ein architektonisches Juwel, das die turbulenten Zeiten fast unverändert überstanden hat.
Ulica Dworcowa (Bahnhofstraße)
Zusammen mit der Mariacka bildet die Ulica Dworcowa eine repräsentative Achse im Zentrum. Ihr Name leitet sich vom Alten Bahnhof ab, der direkt an dieser Straße liegt.
Ulica Dworcowa – Die schicke Flaniermeile der Stadt.
Hier findet man das noble Hotel Monopol auf der einen Seite und die historischen Gebäude des alten Bahnhofs auf der anderen.
Die Geschichte der Eisenbahn in Oberschlesien
Die Anfänge der Eisenbahn in Oberschlesien reichen bis in die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Der erste Abschnitt der Oberschlesischen Eisenbahn wurde 1846 in Betrieb genommen, noch bevor Katowice das Stadtrecht erhielt.
Die dynamische Entwicklung der Industrie und die Bedeutung des Eisenbahnknotens führten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Ausbau der Bahnhofsinfrastruktur.
Der Alte Bahnhof
Dieses Gebäude-Ensemble entstand Anfang des 20. Jahrhunderts. Besonders sehenswert sind die Seitenflügel von 1906 mit ihrer schweren, aber deutlichen Jugendstil-Optik.
Der Alte Bahnhof – Ein Denkmal der Eisenbahngeschichte.
Nachdem er 1972 durch den neuen Bahnhof ersetzt wurde, verfiel er lange Zeit. Heute sind die Gebäude renoviert und beherbergen schicke Gastronomie und Dienstleistungen.
Hotel Monopol
Das legendäre Hotel Monopol.
Das 1903 eröffnete Hotel ist die erste Adresse der Stadt. Berühmtheiten wie Jan Kiepura, Arthur Rubinstein und sogar Charles de Gaulle stiegen hier ab. Nach einer aufwendigen Renovierung im Jahr 2003 strahlt das 5-Sterne-Haus wieder im alten Glanz.
Nikiszowiec – Oberschlesische Bergbau-Architektur
Nikiszowiec (Nikischschacht) ist eines der charakteristischsten und am besten erhaltenen Arbeiterviertel in Polen. Entworfen zwischen 1908 und 1918 für die Bergleute der Grube „Giesche“ (später KWK Wieczorek), ist es heute ein einzigartiges städtebauliches Ensemble mit unverwechselbarer Atmosphäre. Rote Backsteinmauern, die typischen rot gestrichenen Fensterrahmen, weitläufige Innenhöfe, Torbögen und die monumentale St.-Anna-Kirche machen Nikiszowiec zu einem der wertvollsten Denkmäler von Katowice und zu einem absoluten Pflichttermin auf jeder Reise.
Die Entstehung
Entworfen wurde Nikiszowiec von den Brüdern Georg und Emil Zillmann aus Charlottenburg, die auch für das benachbarte Giszowiec verantwortlich zeichneten. Es entstand als Mustersiedlung für die Arbeiter der Giesche-Grube.
Die Siedlung wurde von den Berliner Architekten Georg und Emil Zillmann entworfen.
Die Siedlung besteht aus neun großen Wohnblöcken, die jeweils einen geschlossenen Ring um einen gemeinsamen Innenhof bilden. Von 1908 bis 1918 erbaut, fasziniert die Anlage bis heute durch ihre Funktionalität und stilistische Geschlossenheit. Ursprünglich als Gieschewald bekannt, erhielt die Siedlung nach den Schlesischen Aufständen ihren polnischen Namen Nikiszowiec. Direktor Anton Uthemann wollte eine Vorzeige-Kolonie schaffen, die Ästhetik und sozialen Nutzen vereinte – eine autarke „Stadt in der Stadt“.
Architektur aus Backstein
Die typische Backstein-Architektur von Nikiszowiec.
Nikiszowiec ist berühmt für seine markante Architektur aus rotem Backstein. Eines der bekanntesten Details sind die leuchtend rot gestrichenen Fensterrahmen, die der Siedlung ihr individuelles Gesicht verleihen. Arkadengänge, liebevoll restaurierte Details und die tiefen Innenhöfe erzeugen ein einzigartiges Flair.
St.-Anna-Kirche – Das Herz der Siedlung
Die monumentale St.-Anna-Kirche
Im Zentrum steht die monumentale St.-Anna-Kirche, erbaut zwischen 1913 und 1918. Der Entwurf der Zillmanns verbindet Neobarock mit Neoromanik. Die Kirche ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern ein Symbol der lokalen Gemeinschaft und eines der schönsten Gotteshäuser in den Arbeitersiedlungen Schlesiens.
Das Bergwerk „Wieczorek“
Denkmal für Józef Wieczorek – Namensgeber des Bergwerks
Das Bergwerk „Giesche“, das 1946 in KWK „Wieczorek“ umbenannt wurde, war eine der ältesten Zechen der Region. Der Betrieb lief bis 2017. Die erhaltenen Schächte, Werkstätten und die Waschkaue sind heute wertvolle Zeugen der Industriegeschichte von Katowice.
Auf „Wieczorek“ hat auch mein Vater gearbeitet. Ich bin sowohl mit dem Bergwerk als auch mit Nikiszowiec sehr sentimental verbunden. Es sind die Erinnerungen, die zählen: Eine Uhr, die damals gekauft wurde und heute noch auf meiner Kommode die Zeit misst, oder die Bilder von Familienausflügen zum Skifahren in die Beskiden.
Wer war Józef Wieczorek? Kurzbiografie
🎖️ Józef Wieczorek (1893–1944) war ein schlesischer Aufständischer und Arbeiteraktivist. Er arbeitete schon als 14-Jähriger im Giesche-Schacht. Während des Zweiten Weltkriegs organisierte er den Widerstand, wurde von den Nationalsozialisten verhaftet und starb 1944 im KZ Auschwitz. Das Bergwerk wurde ihm zu Ehren nach dem Krieg benannt.
Museum und Galerien
Museum der Geschichte von Katowice – Abteilung Ethnologie
Im Gebäude der ehemaligen Waschküche und Mangel befindet sich heute eine Außenstelle des Stadtmuseums. Wo früher die Wäsche der Bergleute gemangelt wurde, kann man heute Ausstellungen zur Wohnkultur und Geschichte des Viertels besuchen. Zudem bietet die nahegelegene Galerie Szyb Wilson auf 2.500 m² in einer ehemaligen Schachthalle Raum für zeitgenössische Kunst.
Schlesische Kulinarik
Ein traditionelles schlesisches Festmahl.
Die schlesische Küche – einfach, sättigend und voller Geschmack – ist ein wichtiger Teil des Erbes der Region. In Nikiszowiec und Umgebung finden Touristen Restaurants, die typische schlesische Gerichte servieren. Dazu gehören Rolada śląska (schlesische Roulade), Kluski śląskie (schlesische Klöße) und Modra kapusta (Blaukraut), aber auch hausgemachte Spezialitäten. All diese Gerichte sind von der harten Arbeit der Bergleute und Arbeiter inspiriert, die reichhaltige und energiereiche Mahlzeiten benötigten.
Ein typisches schlesisches Mittagessen besteht aus Rinderroulade (manchmal auch aus Schweinefleisch), die mit Zwiebeln, Sauerkraut und Speck geschmort wird. Serviert wird sie mit schlesischen Kartoffelklößen mit einer Vertiefung für die Soße, und rotem Sauerkraut.
In der schlesischen Tradition finden wir darüber hinaus Gerichte wie Ciapkapusta, eine einfache, aber sättigende Kombination aus gekochten Kartoffeln und Sauerkraut, oft mit Speck oder gebratenen Zwiebeln, sowie verschiedene Klößensorten wie die weniger bekannten Kluski czarne (Schwarze Klöße).
Wodzionka – eine schlesische Suppe mit Charakter
In der schlesischen Küche wird nichts dem Zufall überlassen. Wodzionka ist ein hervorragendes Beispiel für die „Zero-Waste”-Küche Schlesiens. Früher, als zu Hause nur noch trockenes Brot, Knoblauch und Fett vorhanden waren, bereiteten die Hausfrauen daraus eine wärmende Suppe zu.
Traditionelles Rezept
Zutaten: ✔ 2 Scheiben altbackenes Brot (am besten Landbrot, mit Sauerteig) ✔ 2-3 Knoblauchzehen ✔ 1 Esslöffel Schmalz (oder Butter) ✔ 500 ml heißes Wasser ✔ Salz und Pfeffer nach Geschmack ✔ optional: Majoran, Grieben, Ei, Milch
Zubereitung: Das altbackene Brot in Würfel schneiden, gepressten Knoblauch und einen Esslöffel Schmalz (oder Butter) hinzufügen und mit kochendem Wasser übergießen. Mit Salz und Pfeffer würzen – fertig ist ein ehrliches Arbeitergericht, das bis heute Kultstatus genießt. Manche verfeinern es mit Beilagen wie Grieben, Milch, pochiertem Ei oder sogar gelbem Käse.
Die schlesische Küche bietet trotz ihrer einfachen Zutaten – Kartoffeln, Kohl, Fleisch, Wurstwaren – viele Möglichkeiten. Es handelt sich um sättigende, hausgemachte Gerichte, die sich nach einem anstrengenden Arbeitstag bewähren und heute Teil der lokalen Identität und Attraktion für Touristen sind.
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